LOUVRE-MUSEUM, Hammurabi-Stele Richelieu-Flügel Saal 3

Audio-Guide Länge: 2.54
Autor: STEFANO ZUFFI E DAVIDE TORTORELLA
Deutsch Sprache: Deutsch

Sie stehen vor einem der faszinierendsten Werke des Louvre: die Stele mit dem so genannten Codex Hammurapi bzw. die erste Sammlung von Rechtssprüchen der Menschheitsgeschichte.

Die in den Anfängen des 20. Jahrhunderts in Susa, dem heutigen Iran freigelegte Stele besteht aus einem über zwei Meter hohen Basaltblock. Die Gravierungen wurden um 1760 vor Christus in Babylon, im heutigen Irak, geschaffen und etwa 3000 Jahre später als Kriegsbeute in die iranische Stadt gebracht. Basalt ist ein sehr hartes und schwer zu verarbeitendes Vulkangestein und deshalb ist es noch erstaunlicher, mit welch einer Präzision die Rechtssprüche in den Stein eingraviert wurden.

Hammurapi verwandelte nicht nur Babylon in eine reiche und berühmte Hauptstadt  Mesopotamien, sondern übertrug als erster Herrscher die bis zu jenem Zeitpunkt mündlich überlieferten Regeln in einen wahrhaftigen  Gesetzeskodex.

Die Stele ist in zwei Teile unterteilt: im oberen Abschnitt sehen Sie zwei Relieffiguren, im unteren den Wortlaut der Gesetze. Die links stehende Figur stellt Hammurapi dar, während er die Gesetze vom Sonnengott Schamasch, dem Patron der Gerechtigkeit, der durch die hinter ihm emporragenden Flammen erkennbar ist, entgegennimmt. Wie Sie feststellen können, sind die zwei Figuren steif und ungelenk, auf eher „unnatürliche“ Weise dargestellt, was Ihnen zu verstehen gibt, dass die babylonische Kunst darauf abzielte, leicht erkennbare Szenen und Figuren zu schaffen, ohne großen Wert auf die Wahrscheinlichkeit zu legen.

Der Wortlaut, den Sie im unteren Abschnitt betrachten, ist in Keilschrift in sehr feinen Schriftzügen geschrieben und führt 282 Gesetze an, die in Kapitel unterteilt sind. Der Inhalt umfasst verschiedene Bereiche des menschlichen Zusammenlebens sowie unterschiedliche Arten von Straftaten. Bei der Regel, die die Mehrheit der Normen festlegt, handelt es sich um die Talionslehre beziehungsweise um das Recht, Gleiches mit Gleichem zu vergelten. Kurz gesagt: „Auge um Auge, Zahn um Zahn!“

Die Gleichheit der Strafe bezog sich nur auf Personen von gleichem sozialem Status. Wenn eine Person gleichen Rangs das Kind eines Adeligen tötet, so ist Letzterer dazu berechtigt, auch dessen Kind zu ermorden. Wird hingegen ein Slave getötet, so kommt der Mörder mit einem Bußgeld davon.

 

NEBENBEI: Die im Codex Hammurapi enthaltene Talionslehre betraf sogar das Weingesetz, nach dem betrügerische Weinhändler mit dem Tod durch Ertrinken in einem Fluss bestraft wurden. Kurz und gut, wer Wasser in den Wein mischte, der starb im Wasser!

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