AKROPOLISMUSEUM, 1. ETAGE PROKNE UND ITYS

Audio-Guide Länge: 2.43
Deutsch Sprache: Deutsch

Der letzte große Raum im ersten Stock des Museums zeigt hauptsächlich römische Kopien klassischer Meisterwerke und Darstellungen von Philosophen und historischen Persönlichkeiten, die zwischen 500 v. Chr. und 400 n. Chr. entstanden sind.

„Prokne und Itys“ ist eine originelle und sehr repräsentative Skulpturengruppe, obgleich sie stark beschädigt ist.

Das Werk erzählt einen sehr grausamen Mythos. Prokne war mit Tereus vermählt, mit dem sie einen Sohn, Itys, hatte. Tereus verliebte sich jedoch in seine Schwägerin Philomela, vergewaltigte sie und schnitt ihr die Zunge heraus, damit sie ihn nicht verraten konnte. Philomela konnte Prokne trotzdem die Wahrheit mitteilen: Sie sandte ihr ein Kleid, in welches sie die Bilder ihrer Leidensgeschichte eingewoben hatte.

Prokne, entsetzt über ihren Mann, rächte sich grausam. Gemeinsam mit ihrer Schwester zerstückelte sie Itys, kochte dessen Glieder und setzte sie Tereus zum Mahle vor. Als er das Verbrechen entdeckte, versuchte er die Schwestern zu töten; aber die Götter hatten Mitleid mit ihnen und verwandelten Prokne in eine Schwalbe und Philomela in eine Nachtigall. 

 

Bei der Skulptur handelt es sich wahrscheinlich um ein weiteres Werk des Alkamenes; es stellt den Moment dar, in dem Prokne ihre tragische Entscheidung trifft, und der kleine Sohn, der sich seines Schicksals nicht bewusst ist, sich an seine Mutter klammert und all ihre Zuneigung sucht. Der Kontrast zwischen der bewegungslosen Mutter mit ihrem geneigten Gesicht − als Gefangene ihres Schicksals − und der kindlichen Zärtlichkeit, mit der Itys sie umarmt, macht die Tragik des bevorstehenden Dramas deutlich.

Mit dieser Familientragödie in Folge einer zerstörten Liebe stellte der Bildhauer Alkamenes sinnbildlich das von einem Bruderkrieg, dem berühmten Peloponnesischen Krieg, erschütterte Griechenland dar, der Athen und das ganze Land nachhaltig erschüttern sollte.

Ich möchte Sie auf ein weiteres vortreffliches Werk aufmerksam machen, das Porträt Alexanders des Großen, das dem Bildhauer Lysippos zugeschrieben wird. Es handelt sich um eine römische Kopie, die für zahlreiche Porträts des großen Herrschers zum Prototyp wurde. Es ist auch eine der ersten Skulpturen der hellenistischen Kunst, in der das Sujet nicht mehr idealisiert, sondern mit Realismus und psychologischer Tiefe dargestellt wurde.

 

 

Und noch eine Kuriosität: Für die Griechen war die Sagendichtung von großer Bedeutung. Mittels fantastischer Erzählungen versuchten sie, historische Fakten oder Naturphänomene zu erklären, die mit der geheimnisvollen Beziehung zwischen dem Menschen und der Welt zusammenhingen.

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