PETERSDOM, INNEN BERNINI-BALDACHIN

Audio-Guide Länge: 2.44
Autor: STEFANO ZUFFI E DAVIDE TORTORELLA
Deutsch Sprache: Deutsch

Gehen Sie nun durch die weiten Räume der Basilika in Richtung des Hauptaltars.

Lassen Sie mich gleich noch eine Bemerkung vorausschicken: Wenn Sie den Geist der barocken Umgestaltung des Petersdoms verstehen möchten, müssen Sie sich auf den Baldachin aus Bronze über dem Altar konzentrieren: Der gesamte Zauber der Basilika geht von dort aus. Ohne sich durch die immense Kuppel von Michelangelo einschüchtern zu lassen, konzipierte Bernini eine hohe, aber schlanke Struktur, die von vier gerillten, gewundenen Säulen getragen wird. Die Form dieser Säulen ist ein Tribut und gleichzeitig eine Erinnerung an die Basiliken der Epoche des Kaisers Konstantin. Der Baldachin fügt der Atmosphäre der weiträumigen und feierlichen, aber potenziell statischen Basilika eine Note der Bewegung und Lebendigkeit hinzu. Die Belebung der spiralförmigen Säulen wird durch die dichten Rillen, die geschickten Vergoldungen und die Effekte der wie vom Winde bewegt erscheinenden Fransen des Baldachins noch gesteigert.

Für das Grabmal des Papstes Urban VIII., das Sie neben dem Baldachin sehen können, hat sich Bernini von den Schemata der Renaissance-Gräber inspirieren lassen, aber auch in diesem Fall prägt er dem Ganzen eine innovative Ladung von Dynamik und Aktion auf, die durch die kombinierte Verwendung von in Farbe und Textur unterschiedlichen Materialien hervorgehoben wird: weißer und farbiger Marmor, Bronze und Vergoldungen. Die Szene, bei der der von einem Skelett dargestellte Tod den Namen des Papstes auf einen Grabstein schreibt, scheint beinahe aus einem Horrorfilm entnommen zu sein.

Und wahrscheinlich werden Sie bemerken, dass der Baldachin auf seine Art noch wirkungsvoller ist. Bernini formt die vier Säulen der gigantischen Pfeiler in der Mitte der Basilika um, indem er in den Nischen vier riesige Marmorstatuen von Heiligen platziert, die die kostbaren Reliquien in den Galerien über ihnen tragen. Bernini hat die Skulptur des Longino, des römischen Zenturios, der sich bei der Kreuzigung bekehrt hat, persönlich ausgeführt. Die Statue besteht aus vier verschiedenen Marmorblöcken, die ineinander gesteckt sind, aber ich werde Ihnen ein kleines Geheimnis verraten: Die weite und theatralische Geste des Zenturios hat auch eine praktische Funktion. Sie soll die Verbindungen verdecken, damit man den Eindruck einer Skulptur aus einem einzigen Stück hat.

 

NEBENBEI: Für den Baldachin hat Papst Urban VIII. Barberini keine Kosten gescheut: Um das Metall zu erhalten, ließ er sogar antike Bronzeskulpturen aus dem Pantheon entfernen und einschmelzen. Dies wurde scharf kritisiert und es entstand eine berühmte Redewendung: „Was die Barbaren nicht taten, taten die Barberini“.

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