SIXTINISCHE KAPELLE, GEWÖLBE ALLGEMEIN

Audio-Guide Länge: 3.22
Autor: STEFANO ZUFFI E DAVIDE TORTORELLA
Deutsch Sprache: Deutsch

Und nun suchen Sie einen bequemen Platz, setzen Sie sich und schauen Sie nach oben: Sie sind dabei, sich in einem der bedeutendsten Meisterwerke der Kunst aller Zeiten zu verlieren. Ich spreche natürlich von den Michelangelos Fresken. Sie haben das Glück, dieses Werk nach einer sorgfältigen Reinigung der Fresken zu bestaunen, die vor allem vom Rauch der Kerzen geschädigt waren. Heute erstrahlen sie in all der Pracht ihrer Farben, wie zu jener Zeit, als sie gemalt wurden.

Wie ich Ihnen bereits angedeutet habe, war das Gewölbe mit einem wundervollen Sternenhimmel dekoriert, doch in den Anfängen des 16. Jahrhunderts öffnete sich ein Riss: Papst Julius II. ließ ihn ausbessern, doch war eine Übermalung dringend erforderlich.

Julius II. della Rovere war der Neffe von Sixtus IV., der die Sixtinische Kapelle errichten ließ: ehrgeizig, autoritär und impulsiv wie er war, wollte er ein unauslöschliches Zeichen in der Geschichte der Kirche hinterlassen. Neben Raffael, den er für die Freskendekoration seines Privatgemachs herbeirief, und Bramante, den er mit dem Wiederaufbau der Basilika betraute, beauftragte der Papst Michelangelo, die zwölf Apostel in den „Gewölbezwickeln“ bzw. oberhalb der  kapitellförmigen Wandkonsolen und einige schlichte geometrische Verzierungen an der Decke zu malen. Ein viel zu banales Projekt für Michelangelo, der mit seinen dreiunddreißig Jahren bereits eine lebende Legende war. Obwohl er sich über die Unannehmlichkeiten der Arbeit beschwerte, da der Papst ihn nicht bezahlte und er lieber gemeißelt als gemalt hätte, schlug der Meister dem Papst ein weitaus umfangreicheres Projekt vor.

Michelangelo entwarf einen Freskenzyklus von mehr als tausend Quadratmetern, der in der Lage war, eine gewöhnliche Gewölbedecke in einem ausgesprochen vielschichtigen architektonischen Bau durch eine simple Malerei vollständig umzuwandeln.

Auf den Lünetten über den Fenstern, die Generationen der Ahnen von Christi; in den Eckzwickeln Szenen aus dem Alten Testament. Statt des erwarteten Apostels, sieben Propheten und fünf Sybillen und neben dem Thron eines jeden, zwei Säulen, die einen Rahmen stützen, der die Deckenmitte in all ihrer Länge einfasst. Seinerseits ist der Rahmen in neun rechteckige, abwechselnd große und kleine Felder unterteilt, in denen die wesentlichen Episoden der Genesis in chronologischer Reihenfolge, beginnend bei dem Abschnitt über dem Altar, dargestellt sind.

Zwischen einem Feld und dem anderen des Rahmens, über den Säulen der Propheten und der Sybillen und von der einen bis zur anderen Seite, können Sie die Figuren von jungen Ignudi, den nackten Jünglingen erblicken.

 

NEBENBEI: An verschiedenen Stellen des Gewölbes entdecken Sie einige Girlanden aus Eichenlaub. Sie sind praktisch ein „Logo“, da die Päpste Sixtus IV. und Julius II. dem Geschlecht der Della Rovere angehörten, und „Rovere“ ist ein weiterer Name der Eiche.

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