SIXTINISCHE KAPELLE, Jüngstes Gericht Präsentation

Audio-Guide Länge: 3.07
Autor: STEFANO ZUFFI E DAVIDE TORTORELLA
Deutsch Sprache: Deutsch

Die „zweite Halbzeit“ von Michelangelo in der Sixtinischen Kapelle begann mehr als zwanzig Jahre später, das heißt, nachdem Rom von den deutschen Söldnern, den gefürchteten „Landsknechten“ geplündert wurde, in einer Zeit, in der die Reformation die Macht des Papstes zu untergraben drohte.

Für Papst Clemens VII. Medici entwarf Michelangelo ein kolossales Jüngste Gericht an der Wand über dem Altar der Kapelle. Nach zahlreichen Versuchen traf Michelangelo die radikale Entscheidung, die Wand, einschließlich ihrer Fresken des Perugino, einzureißen, und sie mit einer leichten Krümmung wieder aufzubauen. In der Zwischenzeit verstarb der Papst und an seiner Stelle wurde Papst Paul III. Farnese gewählt.

Als er die Arbeiten an der neuen Rückwand der Sixtinischen Kapelle begann, war Michelangelo bereits zweiundsechzig Jahre alt, verdrossen und zynisch, ganz anders als der widerspenstige und leidenschaftliche Jüngling, der die Fresken der Decke in Angriff genommen hatte.

Schon gleich nach seiner Einweihung stellte das Jüngste Gericht eines der überwältigendsten und umstrittensten Werke der Kunstgeschichte dar.

Das Fresko schildert Ihnen den Tag des Jüngsten Gerichts, das Ende der irdischen Welt. In gewissem Sinne ist es demnach als Gegenstück zur Erschaffung anzusehen, die derselbe Künstler im Gewölbe mit Fresken beschreibt: Die Geste des Christus als Richter, der die Auserwählten von den Verdammten trennt, ähnelt auf unglaubliche Weise der Gebärde, mit der der Gott Vater die Erde vom Wasser absondert. Mit einer erstaunlichen Freiheit im Vergleich zu den traditionellen Regeln, die auf einer ungeheuerlichen und leidenschaftlichen Erfahrung beruht, offenbart Ihnen Michelangelo eine außergewöhnliche, unübertreffliche Szene, die von über vierhundert Figuren belebt wird; Und in ihrer Mitte erhebt sich die Erscheinung Christi vor einem klaren und gleichmäßigen Himmel, ohne Dimension von Zeit und Raum.

Hoch oben sehen Sie zwei Engelsgruppen ohne Flügel, die die Symbole des Leidenswegs Christi tragen. In der Mitte verschiedene Heilige, die in einem Halbkreis um Christus angeordnet sind und von denen Sie einige durch die Werkzeuge ihres Martyriums erkennen können. Weiter unten wohnen Sie dem Kampf um die Seele zwischen Engeln und Dämonen bei. Im untersten Streifen, gleich über dem Altar, sehen Sie links die Auferstehung der Körper, die sich mit Fleisch und Haut bedecken, und rechts den Eingang zur Hölle.

 

NEBENBEI: Als der Zeremonienmeister des Papstes beim Anblick der nackten Figuren des Jüngsten Gerichts aufbrauste, bildete er ihn als Minos, den Richter der Unterwelt, ab. Er ging zum Papst, um sich zu beschweren, doch dieser antwortete ihm nur, er sei für die Hölle nicht zuständig und dass das Porträt bliebe, wo es war!

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