VATIKANISCHE MUSEEN, ARCHÄOLOGIE

Audio-Guide Länge: 3.22
Autor: STEFANO ZUFFI E DAVIDE TORTORELLA
Deutsch Sprache: Deutsch

Wenn Sie sich für klassische Skulptur begeistern, empfehle ich Ihnen dringend, das Museum Pio-Clementino zu besuchen. Hier finden Sie einige berühmte klassische Statuen, die zusätzlich zu ihrem künstlerischen Wert auch das große Verdienst tragen, Modelle vieler Meisterwerke der Renaissance und des Barocks gewesen zu sein.

Im Museum werden Sie fast nur römische Kopien griechischer Originale finden, die in Rom gefunden wurden, zunächst nur zufällig, später aber durch systematische archäologische Forschung. Sie werden das berühmte Belvedere-Torso sehen, das große Fragment der Statue eines Gottes mit mächtigem Körperbau, das von Michelangelo und Rubens als Bezugsobjekt verwendet wurde, und auch den von jedermann bewunderten Belvedere-Apollo, der ein grundlegendes Beispiel für die akademische Kunst darstellt.

Aber das berühmteste Stück im Museum ist die Laokoon-Gruppe die vor etwa 2000 Jahren von einer Gruppe von Bildhauern aus Rhodos realisiert wurde und eines der ergreifendsten Werke der Kunstgeschichte der Antike ist. Die Skulptur stellt eine Szene dar die in dem lateinischen Epos Aeneis erzählt wird, einem Meisterwerk von Vergil. Während der Belagerung von Troja war Laokoon ein trojanischer Priester, der vergeblich versuchte, seine Mitbürger über die Täuschung des hölzernen Pferdes zu informieren und der später mit seinen Söhnen von zwei Seeschlangen zerquetscht wurde. Beachten Sie, dass dieses Meisterwerk aus der letzten Phase griechischen Kunst, wie so oft in der Klassik, so konzipiert ist, dass man es nur von vorne betrachtet und nicht von allen Seiten.

Die Entdeckung der Marmorgruppe in den frühen Jahren des 16. Jahrhunderts in einem antiken Bereich des Palasts von Nero, war für gross bedeutend für das Studium und die Wiederaufnahme der klassischen Kunst in der Renaissance. Die Arbeit wurde untersucht, kopiert und in jeder möglichen und technisch vorstellbaren Größe interpretiert. Die fehlenden Teile des Originals, wie der rechte Arm des Laokoon, brachten die Künstler in das Dilemma, ob man den fragmentierten Charakter der Gruppe respektieren sollte oder aber versuchen, fantasievolle Rekonstruktionen auszuführen.

Vor Laokoon war das Wort „klassisch“ ein Synonym für Ruhe und Gelassenheit gewesen. Aber der pathetische Ausdruck des trojanischen Priesters zeigt, dass klassische Kunst auch in der Lage war, Drama und Schmerz auszudrücken und wohldefinierte, kräftige Muskulatur darzustellen.

 

NEBENBEI: Der Laokoon wurde in einem Weinberg eines Edelmanns entdeckt, der sein Glück nicht fassen konnte, und deshalb zur Sicherheit die Skulptur in seinem Schlafzimmer aufbewahrte. Die Nachricht von der Entdeckung machte in den italienischen Höfen schnell die Runde und es gab zahlreiche Kaufangebote, aber Papst Julius II. war am Ende der Glückliche, der sie erhielt. Man suchte dann eine passende Kulisse für das Kunstwerk und gründete das MuseumPio-Clementino, das nach den Päpsten Pius VI. und Clemens XIV. benannt wurde

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